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      • Pisoj. Rockn.
      • Sirhc. AK-1 bis -47.
      • Nröjb. Echte Gefühle.
      • M. Seni. Ausrufezeichen! Klammer zu.
      • Ihcim. In der Kürze liegt die Würze.
      • Anit. Kurz und gut.
Aus der Reihe "Pop Town, Reality Check", heute:

Politik, Polemik, postpubertärer Moralverkehr.

Es war Andy Warhol, der die Aussage gemacht hat, dass selbst platzenden Müllsäcken, deren Inhalt von gierigen Vögeln verspeist werden, ihre fünfzehn Minuten Ruhm zugestanden werden müssen.

Anna Lührmann von den Grünen ist immer noch die jüngste Abgeordnete im Bundestag und hat dem Bildungsbunker meines Misstrauens ein Stück vom 15-Minuten-Instant-Ruhmkuchen abgegeben. Vor zwei, drei Jahren war das, und schon zu diesem Zeitpunkt war die Tatsache, dass sie unglaublich jung war/ist, in den Medien eigentlich ein alter Hut.
Politisch interessiert, wie unsere Generation nun mal so ist, wurde ihr nach einer Alibifrage zum Thema Umweltschutz die Frage gestellt, wie viel sie überhaupt verdient. Die Antwort kam zügig und äußerst locker: Um die siebentausend Euro. Monatlich. Siebentausend Euro dafür, dass sie einfach doof rumsitzt. In der Bahn, in Schulklassen, in der NEON mit ihren Geschwistern und natürlich im Bundestag, wo sie kaum wahrgenommen wird, wenn es nicht gerade darum geht, die deutsche Politik als jung, fresh, dynamisch und konvergent darzustellen. Was sie mit dem Geld macht? Nun, sie ist ein vernünftiger Mensch, sie lebt eigentlich ganz “normal”, die restliche Summe spart sie. Mit Anfang 20.
Welch Überraschung, seitdem war Politik en vogue.

Was war ich für ein Teletubbyzurückwinker, hatte ich die meiste Zeit doch tatsächlich geglaubt, dass meine partygeilen Altersgenossen in ihrer einfältigen Art progressiv sind. Nun, dem ist nicht so. Ich betrachte die politischen Haltungen meines sozialen Umfelds aus einer immer kritischeren Perspektive – und es wird mit der Zeit schlimmer. Der Höhepunkt meiner späten Erkenntnisse war die Etablierung des schülerVZs, der, vergleichbar zum großen Pendant, dem studiVZ, die Möglichkeit gibt, seine politische Richtung anzugeben.

Der geneigte Schüler ab zwölf Jahren hat die Möglichkeit, sich anhand dieser Vorgaben zu outen:

» unpolitisch
» Kommunist
» sehr links
» links
» Mitte links
» liberal
» Mitte rechts
» rechts
» konservativ
» kronloyal
» grün
» keine Angabe

Weil hier manche Menschen nur mitlesen, weil ich mit Elan abkotzen kann, kotze ich auch nur über die Richtungen ab in die Richtungen, die mich ankotzen oder wenigstens irritieren. Und aus irgendeinem Grund kommt die Wut in mir auch nur bei Jungs auf. Mädels gehen mit dem Thema Politik weitaus lockerer und weniger engstirnig um. Es gibt etwa welche, die bei der Jungen Union sind, diese Materie jedoch bloß als netten Zeitvertreib verstehen. Ansonsten machen sie sich ihre eigenen Gedanken über das Geschehen und sind als typische Wechselwähler zu verstehen. Dass sie dort mitmachen, liegt an ihrem Umfeld – der feine Unterschied besteht eben darin, dass sie keine Schwämme sind, die alles aufsaugen.
Männer hingegen sind debile Allesfresser. Sie sind stark von der Umwelt geprägt, so dass ihnen keine Wahl mehr zwischen idealistischem und konservativem – oder gar keinem – Grunddenken gelassen wird.

Kommunismus ist so passé. Der Grundgedanke ist ein nobler, fürwahr, allerdings hat die Geschichte bereits eindrucksvoll bewiesen, dass der Mensch einfach nicht in der Lage ist, jeden hundertprozentig gleich zu behandeln; und dennoch bezeichnen sich einige Kreischo-Bier-Whatever-Rocker als “Kommunisten”. Sie stellen fast immer eine absolute Minderheit auf den schulischen Raucherhöfen dar und benutzen ihre “Orientierung” als Legitimationsgrund für eventuelle Alkoholexzesse. Diese sogenannten Kommunisten tun niemandem weh – Hauptsache, man nimmt sie als “anders” wahr. Dies dürfte auch ihre Motivation dafür sein. Nachdem sie in ihrer Kindheit aufgrund gewisser Umstände (Übergewicht, absolute Unauffälligkeit etc.) traumatisiert wurden, finden sie im Kommunismus eine wunderbare Möglichkeit, sich stolz als “anders” zu definieren, als Gutmenschen im kapitalistischen Alltag, als authentisch. Wenn sich jemand etwa bisher nur durch seinen langweiligen Charakter auffiel, so meint er sich damit aufzu”werten”. Auf Dauer, so befürchte ich, wird nur eine Partei darunter leiden, und zwar die Kommunisten selbst. Es verbirgt sich keine politische Motivation für ihre Oberfläche, sie wollen sich selbst die Frage “Wer bin ich überhaupt?” nicht beantworten. Ob ein Aufschub für sie gesund wäre, nicht nur aufgrund ihres überdurchschnittlichen Alkoholkonsums, wage ich arg zu bezweifeln.

Wer sich selbst in jungen Jahren als konservativ oder gar als Mitte rechts bezeichnet, verrät auf Anhieb einige Dinge über sich: Konservative sind zu 99% politisch engagiert, zeichnen sich durch ihre Eloquenz aus, sind penetrante Missionare (besonders hier können Frauen punkten – sie respektieren andere Meinungen), können sich nicht eingestehen, dass sie zu einem gewissen Rassismus tendieren und hinterfragen den Holocaust nur teilweise. Die Bezeichnung “Mitte rechts” steht für eine abgespeckte Light-Version. Light sind dabei ihre Gehirne. “Holocaust? Kann man das essen? Höhö. Wie? Argu-was? Kann man das auch essen? Aber nein, ich bin kein Nazi!” Man muss sicher keine rechtsradikale Kämpfernatur sein, um sich selbst auf diese Weise zu degradieren klassifizieren. Man muss aber damit rechnen, dass sie beim restlichen Pöbel durch dieses gewisste Rechte entsprechende Stigmata hinterlassen.
Beide Gruppen weisen viele Widersprüche auf. Zunächst einmal: Musik als Botschaftsübermittler ist nicht deutsch. HipHop erst recht nicht. Und ich verstehe nicht, weshalb sie ausländische Freunde haben. Ich fühle mich allein durch ihre Holocaust-Aussagen indirekt angegriffen (zumal es die Leute sind, die erst sagen, wie blöd ich aussehe, bevor sie mich kopieren).

Aber eigentlich ist das Problem vieler Menschen (besonders die der Spießer) ein ganz anderes: Gefährliches Halbwissen. Wir sind gar nicht mehr in der Lage, uns vollständig zu informieren, stattdessen leben wir in einer Smörgåsbord-Gesellschaft. Es gibt alles, man könnte alles probieren, man könnte die Portionen gerecht dosieren – und doch überfressen wir uns an den Shrimps; der Rest landet im Müll. Um es mal auf Neudeutsch auszudrücken: Ihnen (uns?) fehlt der eigene Style. Eigenständiges Denken ist unter Umständen zwar möglich, doch der Horizont reicht – erziehungstechnisch bedingt – nicht sehr weit. Und überhaupt, it’s all about Gewinnmaximierung.
Und ein Schlusswort zu den konservativen Schlonzos: Ich kritisiere nicht, dass sie stolz auf ihr Deutschland sind. Sollen sie’s sein. Und von mir aus auch, weil sie reichen Schnöseln entstammen. Aber verfickte Scheiße – die sollen mich in Ruhe lassen!

Montag, 10. September 2007, 09:38:45 CEST. 6 Personen.



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