
Menschen, diese manipulativen Wesen. In meinen grausamen Kindheitstagen konnte ich nur dann Kurzzeitfreundschaften auf dem Pausenhof schließen, wenn ich mit gequälter Knabenstimme ganz laut “Selbstbefriedigung!” rief.
Heutzutage erwecke ich den Eindruck, eine gänzlich “unkonventionelle” und kaum risikoaverse Persönlichkeit zu sein, der, wenn er nicht gerade Podcasts erstellt, sehr gesprächig und gar “auf eigene Art und Weise charismatisch und charmant” wirkt. (Danke für die Blumen, äh, Fremder.) Zumindest kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass mein kommunikatives Talent tatsächlich dafür sorgt, Begegnungen mit fremden Menschen auf eine stabile Ebene zu bringen. So langweilig die andere Person auch ist.
(Traurig wird es, wenn das Eis ausgerechnet durch ein laut gerufenes “Selbstbefriedigung!” gebrochen wird.)
Sobald ich jedoch feststelle, dass wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, so ergreife ich erneut die Initiative und stelle rigoros und radikal klar, dass das mit uns nichts wird, Baby. Geh du zurück in deine Welt und lass mich da, wo ich bin.
Was aber passiert, wenn ich ein ernsthaftes Interesse habe, die andere Person jedoch so geistig verkrüppelt ist die Position vertritt, dass wir uns etwas zu sehr unterscheiden, so dass sie lieber auf Stagnation setzt?
“…aber ich mag dich sehr. Du bist lustig und verpeilt, gechillt, bist unglaublich interessant! Und mit dir kann man gut reden. Lass uns Freunde bleiben!”
Aha. Okay. Stell dich hinten an.
Dafür, dass ich erst seit gut zwei Jahren weiß, was gute Freundschaft überhaupt bedeutet, sind in diesem Zeitraum ziemlich viele Begegnungen entstanden, die alle darauf hinausliefen, dass ich als sogenannter “guter Freund” zum gefragten Seelenklempner mutierte. Nein, ich habe überhaupt nichts dagegen, Menschen zum Lachen zu bringen und ihnen in Notlagen möglichst gute Ratschläge zu geben. Wenn man mich um einen Gefallen bittet, so führe ich ihn im besten Gewissen und mit viel Herzblut aus.
Letztendlich hat es mein Verständnis von Freundschaft zerrüttet. Mit der Tatsache, dass ich – obwohl ich ja (absurderweise auch optisch) eine “unglaublich faszinierende” Person zu sein scheine – bis dato keine vernünftige Beziehung zustande gebracht habe, komme ich (meistens) gut klar. Aber was mich zum Lamentieren bringt, ist die Tatsache, dass ich mich ausgenutzt fühle, wie eine Kuh beim Schlachter. Es besteht nämlich ein signifikanter Unterschied, ob alle mit mir reden – oder ich mit jemandem.
Gut, dafür werde ich oft gegruschelt.
Doch was bringen mir viele Freunde im Jahrmarkt der Eitelkeit, wenn ich am Glücksrad drehe und das Ergebnis schlicht und ergreifend lautet, dass ich am Rad drehe?
Ich fühle mich gerädert. Je mehr Menschen sich von mir einen Anstieg auf ihrem Glückskonto erhoffen, desto leerer fühle ich mich, resigniert, ja, geradezu lethargisch. Für mich wird da widersprüchlich und einseitig agiert, wenn keinerlei Interesse an meiner Person und dem ganzen Wirrwarr drumherum besteht. Im schlimmsten Fall, wie ich bereits vor einiger Zeit angedeutet hatte, ist die Ausdrucksweise geradezu beleidigend.
Eigentlich müsste ich das in meinem Alter™ verschmerzen können. Mich entsetzt nur diese Anzahl an Personen gerade sehr.
Nein, ich bin gar nicht wählerisch und selbstfixiert, wenn ich rasch einen Schlussstrich ziehe (auf der Blacklist stehen: “rofl”, “lol”, “Tokio Hotel sind scheiße, weil!”, “Jungsbeule”). Dass ich bislang niemandem richtig beweisen konnte, dass ich (halten Sie bitte Taschentücher und Kotztüten bereit) als hoffnungsloser Romantiker viel unfreiwillige Komik und noch mehr Liebe zu vergeben habe – whatever.
Doch brichst du mir das Herz – dann brech ich dir die Beine.
Vom Donnerstag, den 06. März 2008 um 09:11:07 CET.
Ha, das kenne ich auch. Gegen Ende meiner Schulzeit war ich auch die “starke Schulter”, an der sich jeder ausweinen durfte. Rückblickend war das glaub’ ich die dümmste aller Ideen. Die Mädls sprechen nur mit dir, wenns ihnen scheiße geht – und sonst nicht. Was zum Henker habe ich mir damals gedacht?
Vom Donnerstag, den 06. März 2008 um 17:04:23 CET.
Wahre Worte. Bezogen auf den ‘Jahrmarkt der Eitelkeit’ und auf die gebrochenen Beine. Olli Schulz hat den Masterplan in der Hosentasche, das sag ich dir.
Aloha, Grüße und den restlichen Kram.
Vom Freitag, den 07. März 2008 um 22:15:48 CET.
Och, von dem Beitrag fühl ich mich auch verstanden. Immer wenn ich mal meine Probleme erzählen will hab ich das Gefühl, die Personen verstehen garnicht, wie und warum mich das bedrückt und geben mir nicht irgendwie Beistand.
Kurioserweise such ich dann in nem billigen Chat und meinem LJ Trost.
Schade, dass du jetzt in Berlin wohnst, vllt. hätten wir uns doch mal treffen sollen. ;)
Vom Samstag, den 08. März 2008 um 02:07:32 CET.
*stillundleisenickend* verfickt!!
merci monsieur,
Die welt erscheint mir besser seit ich dich kenne…
Vom Sonntag, den 09. März 2008 um 00:24:49 CET.
Ich könnte jetzt was schreiben von “als ich in deinem Alter…” und so weiter. Das Leben ist großartig. Ernst gemeint. Mach einfach weiter so!
Mi Lei Long Di Do Di Delü.