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      Tomte - "Korn & Sprite"

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      • Enin. Der Tod kommt von oben.
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      • Leinad. Collapse.
      • Pisoj. Rockn.
      • Sirhc. AK-1 bis -47.
      • Nröjb. Echte Gefühle.
      • M. Seni. Ausrufezeichen! Klammer zu.
      • Ihcim. In der Kürze liegt die Würze.
      • Anit. Kurz und gut.
Aus der Reihe "Pop Town", heute:

Follow my ruin./Sometimes I feel like a Smørrebrød.

Es war so schön. Es hat mir sogar sehr gefallen in diesem bürokratisch gestützten Bankkomplex, wo ich nach beinahe zwei Dekaden der blümeranten Jugend die Möglichkeit, ein Konto zu eröffnen, wahrgenommen hatte. Es fühlte sich gut an, diese Reife, die in einem wächst, wenn der staatlich geprüfte Berater dich darum bittet, hier, hier, hier, hier, hier und zum Schluss nochmal hier zu unterschreiben. Was für ein geiles Gefühl, zu sehen, wie wischiwaschi die eigene Unterschrift binnen kurzer Zeit werden kann.

Die Tür öffnet sich (danke dafür) und es herrscht zweifellos unangenehmes Herbstwetter. Kein Country-Colors-Herbst mit grellroten Blättern, ein paar lockeren Wolken und Sonnenschein, nein. Der Himmel ist grau und die Blätter sehen aus wie herumwirbelnde gebrauchte Urinellas.
Blicke ich nach links, sehe ich herumtorkelnde Schüler, die zum Bahnhof laufen und frisch verliebte Pärchen, die sich gegenseitig in die Zunge beißen, weil sie beim Küssen die Laternen übersehen haben. “Menno, ich will auch”, sage ich zu mir.
Sehe ich nach rechts, sehe ich die Personifikation von H&M. Es ist ein Emo. Ein Emo, der einst Hopper war und diese nun verabscheut, um grenzdebile Ischen zu beeindrucken. Begleitet wird er von seiner treuen Eminenz. Weniger durchgestylt, etwas biederer, halt ein typischer CDU-Wähler: viel zu belesen für diese Welt und doch fremdgesteuert. In diesem Fall von seiner Exzellenz.

Persönliche Konflikte in der Vergangenheit sorgen bei mir für das Bedürfnis, gleichzeitig kotzen, scheißen und pissen zu wollen. Selbstverständlich ist es jetzt angebracht, gönnerhaft an ihm vorbeizustolzieren, habe ich doch im Leben viel mehr Glück gehabt als er jemals haben wird. Ich könnte ihm das dumme Telefon zeigen und “Hah! Bitch!” schreien. Ich könnte ihm von meinem filmreifen “Liebesleben” erzählen und “Hah! Bitch!” schreien. Doch im Gegensatz zu ihm bin ich, wie ihr wisst, eine sehr dezente, ausgeglichene Person und habe sowas natürlich nicht nötig. Ahahahahaah.

Nein, stattdessen trete ich gedankenverloren in Hundedurchfall und rutsche dabei aus.

Fick! Wenigstens hat er nicht gelacht. Ihm ist’s wohl gar nicht aufgefallen. Und mein Körper wurde von dieser komischen Masse verschont. Was war das nur? Äh, bloß nicht daran denken. Ich verdränge diese Geschehnisse tunlichst und laufe bergauf zum Bahnhof. Dort angekommen, laufe ich bis ganz nach hinten, wo ich einen Moment mit der Musik alleine sein kann. Allerdings nicht lange. Ein Hopper macht sich den langen Weg und kommt auf mich zu.

- “Ey, kiffst du?”
- “Nein, leider.”
- “Hahaha… leider…?”
- “Äh… was? Moment, wieso… ich… häh?”

Allgemeine Verwirrung. Sichtlich traumatisiert ob dieser unlogischen Information distanziert sich der Bursche mit der unglaublich maskulinen rosa Mütze von mir. Ich kann’s ihm nicht verübeln. Ich verspüre ähnliche Bedürfnisse.

Kurze Zeit später erkenne ich, dass ein paar Fahrkartenkontrolleure in zivilen Kostümen in meine Bahn einsteigen möchten. Auch wenn ich gerade von der Bank komme, bin ich, um die allgemeine Situation noch absurder zu machen, ziemlich blank. Ich flüchte schreiend in die Nacht. Ich verlasse das Gelände unauffällig und laufe dabei an einer verdutzen Fratze mit einer rosa Kopfbedeckung vorbei.
Eine halbe Stunde später kehre ich zurück. Kurz darauf gesellt sich ein junger Herr zu mir. Er trägt eine Jacke mit einem seltsamen Aufnäher, einem Kreuz, an dessen Enden Pfeile angebracht sind. Überhaupt, der Kerl sieht ziemlich “arisch” aus.

Wir steigen ein, ich weiter hinten. Als ich mir gerade meine zwickende Unterbüxe zurecht rücken wollte, fällt mir auf, dass sich ein schmollendes Emo-Mädel in die hinterste Ecke des Abteils versteckt hat. (Verdammt, es zwickt!)
Irgendwann, an der übernächsten Station, fängt es plötzlich an zu beben. Ich schaue nach vorne, sehe den blonden, blauäugigen Burschen lächeln, drehe mich um, sehe plötzlich zwei wuchtige Neo-Nazis, verkrieche mich in die Ecke und komprimiere meine physische Präsenz so weit es geht. Gottlob sind die Skinheads so korpulent, dass es für sie unmöglich ist, ihren Kopf seitlich zu neigen (und überhaupt damit was anzufangen). Das Emo-Girl und ich bleiben unerkannt.
Endstation, bitte alle aussteigen. Sämtliche Passagiere scheichen sich weit nach vorne. Wir sehen uns in die Augen. Befremdlich, diese gigantische Furcht des auffällig bebrillten, jungen Afrikaners zu sehen. Als sich die Türe öffnet, schreiten wir bestimmt und doch angsterfüllt nach vorne, während hinten der Abschaum grölt.

Gerade jetzt wäre es mehr als angebracht, seine Gedanken auszuformulieren und auszusprechen, diese ganze medial zusammengezimmerte “zusammen sind wir stark”-Mentalität anzuwenden. Jetzt ist der Moment gekommen, wo alles Gesagte und Erdachte Zwergenaufstände und Dorfrevolutionen auslösen könnte und keine Schamgefühle und Selbstzweifel. Es wäre die Möglichkeit.
Und keiner nutzt sie.

Montag, 29. Oktober 2007, 21:06:41 CET.



2 Chinesen mit 'nem Kontrabass. »

"Achten Sie auf Ihr Telefonierverhalten! Setzen Sie sich ein Limit!"

  1. #1
    » Eine Ansprache von tobi.
    Vom Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 15:27:09 CET.

    Was erwartest du? Der, der das Wort erhebt, bekommt als Erster was auf den Deckel. Ich bin einmal von einem Nazi zusammengetreten worden, und die Leute, die in einige Entfernung standen gaben nachher ihre Aussage auf – aber ein “Zusammen machen wir das” gabs nicht. Wirklich nicht. (Ein bleibendes Andenken habe ich immer noch).
    Es reichen aber oft nur ein paar Worte, wenngleich wenn ich das gemacht habe, es immer nur an pubertierende 16-jährige gerichtet war und nicht an dicke Kahlköpfe mit Stahlblech über ihren Zehen. Zivilcourage ist löblich – aber bevor viele an eine kollektive Aktion denken, versuchen sie ihre Haut zu sichern.
    BTW: Ist dann etwas passiert?

  2. #2
    » Eine Ansprache von MisterBrightside.
    Vom Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 18:35:04 CET.

    Genau das ist es grad – diese ganzen “Steh auf und sag es”-Aktionen bringen im Ergebnis wenig. Ich meine, ich hab so gedacht. Ich hätte es ja auch machen können, aber ich hatte Angst. Die anderen dachten sicher nicht anders.
    Und nein, wir sind, wie oben angedeutet, zügig geflüchtet. Der Abschaum fand’s wohl lustig.

Mi Lei Long Di Do Di Delü.

Hey you! Matt McManamon von The Dead 60s heißt mit Nachnamen...?

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