Ich könnt’ so viel schreiben, aber ich will nicht. Bloggen wird allgemein als Werkzeug des Teufels wahrgenommen, entweder wird man abgemahnt oder man verletzt Menschen. Wahre Worte oder Missverständnisse. Freiheitsentzug oder Liebesentzug. Nichts kann mehr verfasst werden, ohne penibelst darauf zu achten, jedem zu gefallen und nicht aufzufallen. Wenn die Menschen vor dir Angst haben, dann kommen Zweifel auf. Das passiert automatisch, denn dann wird einem so richtig bewusst, wie sehr sich dieser Ballon aufgeblasen hat. Wann platzt es?
Ich könnt’ so viel schreiben, aber ich will nicht. Zu groß der Hass auf die eigenen Worte, diesen mahnenden Grundton, dieses gar beleidigte, echauffierte Oberlehrer-Getue. Zu groß das Aufspielen vergleichsweise harmloser Probleme. Zu groß die Arroganz, zu groß der Ernst, zu groß die immer weiter wachsende Antipathie für Heulsusen, die das Wetter scheiße finden, die Bettdecke scheiße finden, die alles scheiße finden und damit unendlich viele Ja-Sager begeistern können. (“Scheiße stinkt!” – “Ja, du hast Recht!” – “Und wie!” – “Ich stimm dir zu!” – “Du bist cool!”) Wo bleibt der Anspruch, die wirklich wichtige Botschaft? Was aber noch schlimmer dabei ist: Bin ich denn besser?
Ich könnt’ so viel schreiben, aber ich will nicht. Mindestens siebzig Menschen lesen mit, ich kenne nur gut fünfzehn, der Rest erlaubt sich seinen Urteil über mich, über jemanden, den sie auf diese Weise glauben zu kennen. Entweder sind es Ja-Sager, die bedingungslos – Überraschung! – “ja” sagen, oder Memmen, die sich hinter einer virtuellen Schutzschicht in die Anonymität verstecken und unwissend alles anprangern, anzweifeln und verfluchen. Ich hasse beide Sorten von Menschen, sie sind mir suspekt und Letztere sollten bei der nächsten Revolution an die Wand gestellt werden. Noch schlimmer ist allerdings das Schweigen der anderen. Die Jugend pflegt eine “Whatever”-Attitüde zu pflegen, aber ich kann nicht. Es ist mir einfach nicht egal.
Ja ja. Ich könnt’ noch so viel schreiben. Aber ich kann nicht.