Eigentlich gab es nur einen denkwürdigen Moment in der zehnstündigen Bahnfahrt, die ansonsten – lobet den Herren und singet Halleluja! – ohne großartige Verzögerungen und Wetterkapriolen gut verlief. In der Strecke zwischen Magdeburg Hauptbahnhof und Berlin Ostbahnhof (die Luft am Hauptbahnhof ist aufgrund der mangelhaften Konstruktion abartig und hundeunfreundlich) hatte ich es mit einem seltsamen Pärchen zu tun, sie offenbar osteuropäischer, er deutscher Abstammung. Sie Tussi, er Funpunker. Er “wallawallawuahey!”, sie “Hu. Ha. Ha. Ha. Daz. Izt. Komich.” Als der Witzbold aufs Klo muss, füßelt das Mädchen mit mir rum und versucht, angesichts des Umstandes, dass Wochenendtickets nahezu unlimitiert erwerbbar und somit viele Reisende und damit auch Zuschauer anwesend sind, mit ihren Basilikum-Olive-Stänglis mit mir zu flirten. Es ist mir unangenehm und ich erhöhe die Lautstärke der Musik (was bei The Postal Service eine Kunst ist), wende mich noch deutlicher dem Fenster mit der schönen Aussicht auf Brandenburgs Genmaisfelder Naturgebiete zu und will “endlich daaaa sein” und an Thrombose elend verrecken und meine Zähne eigenhändig rausreißen und meine Augen noch dazu. Dann muss die Dame mit dem exzentrischen Mundwerk aufs Klo – oder um ein Zitat von ihr einzubringen: “Pi. Pi.”
Woraufhin der Typ mit mir herumfüßeln will.
Also, draußen im Dorf gibt man mir wenigstens so eine Geborgenheit, indem ich mit dem Stigma, das special interest boy zu sein, lebe. Mal davon abgesehen, dass meine Füße taub waren; die Tatsache, dass ich zuvor in einen Hundehaufen getreten bin, macht diese Situation nur noch absurder. Hundescheiße als Aphrodisiakum. Smells like Bo(o)m Chicka Wah Wah.
Ansonsten wurden erste Impressionen der Hauptstadt 2007 in einem Wohnhaus, das gerade unter anderem von meinem Schwager renoviert wird, verschafft. Besonders die Tatsache, dass zwei Wohnungen noch bewohnt sind, ist etwas überraschend, aufgrund der immer höher steigenden Mietkosten jedoch verständlich. Das Haus selbst ist eine grandiose Quelle für fotografische, verzeiht, photographische (um es authentischer auszudrücken) Ergüsse, all diese Ruinen, diese überfluteten, verschimmelten Decken und Wände, die Türen… Das nächste Mal bringe ich meine Kamera mit.