In Berlin drehst du deinen Kopf nach links und siehst einen Burschen mit einer schwarzgefärbten Billy-Talent-Frisur, der seine Ische mit gezügelter Leidenschaft küsst. Rechts siehst du einen Burschen mit einer schwarzgefärbten Billy-Talent-Frisur, der seine Ische mit gezügelter Leidenschaft küsst. Und vorne steht ein McDonald’s voller Burschen mit schwarzgefärbten Billy-Talent-Frisuren, die versuchen, ihre schmollenden Ischen in das Schnellrestaurant hineinzuzwängen, weil McDonald’s “irgendwie nicht so nett zu Tieren” ist. Auf dem Boden liegt ein zertretenes Exemplar der Berliner Zeitung mit einem regionalen Aufreißerthema, wonach ein paar Burschen mit Billy-Talent-Frisuren und unbefriedigten superstylish versorgten Ischen lautstark gegen die Errichtung der ersten McDonald’s-Filiale in Kreuzberg protestiert haben. Hinter dir könnte es möglicherweise gefährlich werden; du willst eigentlich loskotzen und hast dann doch nur heftige Blähungen (vom Fisch-Mac oder, wie es neuerdings heißt, Filet-o-Fish). Heiße Luft, alles.
In Hamburg weht hingegen ein völlig anderer Wind, es zerstört selbst die durchgestylteste Billy-Talent-Frisur; Ringelshirts müssen gegen Ringelpullis eingetauscht werden, die dünne Jacke bleibt (es dauert halt eine Weile, bis all die Buttons umgesteckt worden sind), die Hose sitzt aber trotzdem zu tief, wovon die Kids offenbar eine Dauererkältung kriegen und das Stadtbild durch ihre Abwesenheit ungemein auffrischen. Stattdessen sieht man Menschen, die man in Hamburg beziehungsweise Norddeutschland landläufig so erwartet. Der alte Fischer mit der Pfeife in der Hand, der nach, na ja, Fisch riecht. Der vierzigjährige Single mit Brille, der dauernd teure Lederschuhe kauft und trotzdem keine dauerhafte Beziehung zustande bringt. Kapitulierende Hamburger Schüler. (Kapitulation, oooh.) Muskelbepackte Reeperbahn-Hirnis im Dolly-Buster-Pornokino. Olivia Jones. Kurz gefasst: Viele bunte Menschen mit irgendwelchen Spleens.
Mit dreien habe ich es im Moment zu tun. Eine davon ist meine Schwester (eine sehr humorvolle und interessante Persönlichkeit mit einem gewissem Hang zu intelligent inszenierten Peinlichkeiten), die andere die eigentliche Mieterin der Wohnung (eine sehr humorvolle und interessante Persönlichkeit, die mir jedoch gedroht hat, mich mit einem Voodoofluch zu belegen, sollte ich Weiteres über sie ausplaudern) und dann noch ein sportlicher Vegetarier (eine sehr humorvolle und interessante Persönlichkeit, fährt auf Biogedöns ab, war früher Schlagzeuger in einer Metalband und ist jetzt auch noch Goa-DJ und angehender Imperator… whatever). Und dann noch die Katze. Busenlilly.
Ja, es handelt sich quasi um eine Öko-Kommune. Ja, es begeistert mich, dass ich endlich wieder Obst und Gemüse essen kann, ohne danach asthmatische Anfälle zu kriegen. Und ja, dieses alternative Müsli mundet sehr. Zugegeben, ich konnte nicht widerstehen und habe unterwegs Gyros gespeist – auch wenn der Vegetarier schmunzelnd “Tod und Verderben!” voraussieht, sobald jemand von der Fleischeslust überfallen wird. Ansonsten lebe ich seit dieser Woche praktisch fleisch- und pestizidenfrei und fühle mich wie ein crash test dummy der womöglich nicht existenten Öko-Werbegesellschaft, so ausgeglichen, vital, inspiriert (in Sachen Küchenspielchen) und: herrlich pseudoindividuell, wenn ich mir meine nähere Umgebung so ansehe. Aber das ist beim Essen sowas von scheißegal, sofern man nicht sein eigenes Gewissen betrügt und gegen die Frittenbude ankämpft, wenn die eigene Leibspeise “so gut wie alles von KFC, nur ohne Krautsalat” ist. Alles heiße Luft.
Ich meine, als ob der Masturbationsächter John H. Kellogg (ja, der mit den Cornflakes) noch nie onaniert hätte.
Vom Donnerstag, den 26. Juli 2007 um 22:23:57 CEST.
was macht eigentlich der sommerliche druck auf der brust? nochmal aufgetreten? naja, bei so viel bio (sehr löblich, sagt da die vegetarierin!) im moment bestimmt nicht …
liebe grüße aus der indie-diaspora!
Vom Freitag, den 03. August 2007 um 04:16:53 CEST.
mach nur weiter so, ich bin im moment so ziemlich total neidisch auf dich, dass du in hamburg bist und ich nicht, wo ich doch so gern gerade da waere….
hm.
dafuer sende ich dir gruesze. ich koennte es mit flaschenpost versuchen, von mir zu dir trennt uns jetzt ja nur noch der grosze ozean. irgendwie…interessant. :)
Hab spasz bursche.
Und ja gesund ist gut.
Mi Lei Long Di Do Di Delü.