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      • Nröjb. Echte Gefühle.
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      • Ihcim. In der Kürze liegt die Würze.
      • Anit. Kurz und gut.
Aus der Reihe "Pop Town", heute:

Liebe deinen Jetzigen!

Ach, Gottchen. Früher, ja ganz früher, da hatte ich noch die Hoffnung, dass es dich gibt. Aber als die Narben auf meinem Körper nicht weniger und meine Lego-Steine nicht mehr wurden, da glaubte ich nur noch an Coca Cola. (Zumindest, bis ich The Clash entdeckt habe.)

Noch vor einigen Jahren gehörte es zum guten Ton, bei meiner bloßen Abwesenheit doofe Witze zu machen. Noch vor einigen Jahren wollte man böse, rebellisch, erwachsen sein. Ein No-Angels-Konzert war das Höchste der Gefühle. Zum ersten Mal alleine unter sehr vielen Gleichgesinnten. Man war reifer als die anderen. Dachte man zumindest.
Einzig und allein die No Angels sind geblieben. Und vielleicht gilt es als besonders erwachsen, besonders motiviert und im Irrglauben, dass eine gute Chorstimme auch solo was taugt (ein großer Fehler, liebe Chorschülerinnen! Hört bitte, bitte, bitte! auf, bei den Beatles mit zu viel Mariah-Carey-Huah rumzutönen! Das klingt scheiße!) zum Popstars-Casting zu gehen und in der Vorvorvorvorauswahl auszuscheiden. Doch der Teufel packt die Hörner weg. Der große Junge, der mich bisher ausgelacht hat, ist inzwischen total nett zu mir, kann jede Bibelstelle zitieren und will Pfarrer werden. Das Popstars-”Born-to-Huah”-Mädel denkt, dass Homosexualität unchristlich sei (Gott hat das so doch nicht gewollt!).
What the fuck? Auf einem Schlag wird mir bewusst, dass sich einige tatsächlich so benehmen, als ob ihre Gehirne stone washed sind. Mit leichtem Entsetzen habe ich dann feststellen müssen, dass es hier in der Gegend eine Freikirche gibt. (Für mich bleibt’s – um oberflächlich zu bleiben – eine Sekte.) Und es gibt gar nicht mal so wenige Mitglieder.

Aus irgendwelchen Gründen lachen alle Menschen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Agnostiker (mit Tendenz zum Atheismus) bin. Wenn andere mir von ihrem (”richtigen”) Glauben erzählen, bleibe ich wiederum ernst. Sofern kein Hang zur Missionierung besteht, gehe ich davon aus, dass es sie zu besseren Menschen macht. Man hat sich eine eigene Weltanschauung zusammenmanifestiert, die sich über Nächstenliebe und/oder den eigenen Ausgleich definiert. Oder so. Es gibt sie, diese Menschen, die über Grenzen hinweg sehen. Sie sind für mich definitiv wertvoll.
Trotzdem ist diese Definition in erster Linie: naiv. Eigentlich ist es ein komisches Gefühl, mit Leuten zu reden, die du eigentlich für total nett hälst, bis du feststellst, dass ihre Ansichten nicht nur idiotisch, sondern eigentlich auch gegen dich sprechen. Müsste man ihnen dafür ins Gesicht spucken? Ist “Liebe deinen Nächsten” nicht das Gegenteil einer Apartie der Menschen durch Stereotypen?

Die allerbeste Reaktion auf das homophobe Sternchen, wir nennen sie jetzt mal “Prinzessin Lieblich”, kommt von einem befreundeten lesbischen Paar. Zugegeben, objektiv gesehen ist es nicht unbedingt hilfreich, durch direkte Konfrontation ein Umdenken anzuregen. Vor allem nicht, wenn sie “Huhuh! Prinzessin Lieblich! Guck mal her!” rufen, sich liebkosend auf sie zugehen, während diese sichtlich angestrengt versucht, wegzugucken (wie jemand, der starke Blähungen hat, die er zu unterdrücken versucht). Aber ich bin ja nicht Jesus, erwartet von mir bloß keinen Konsens.

Ach, scheiße, ihr kennt mich zu gut. Ich probier’s mal.
Mathelehrer haben leider die nervige Angewohnheit, in erster Linie den Rechenweg zu bewerten, nicht das Ergebnis. Ich bewerte Dinge nunmal nach ihren Ergebnissen. Doch vielleicht macht es auch Sinn, darüber zu diskutieren, wie die Kuh überhaupt geschlachtet wird.
Die Gegend, in der ich lebe, ist die kaufkräftigste in ganz Deutschland. Hier gibt’s reiche Protze in Hülle und Fülle. Progessivität? 68er oder solche, die dadurch aktiv oder passiv geprägt wurden? Fehlanzeige. In erster Linie sind’s hundselende Spießer mit zu viel Geld. Wovon die Kirchen sicher auch ganz gut profitieren dürften, doch das ist reine Spekualtion. Worauf ich hinaus will, ist, dass die Kinder selbstverständlich so konditioniert werden, dass das Spießertum und die pure Vernunft (”…darf niemals siegen, ralalalala”) weiter durchejakuliert wird. Kombiniert mit einem Riesen-LCD-Flachfernseher und VIVA – bähm! – ergibt das einen Moralbastard.

Ein wenig Vernunft schadet niemandem, so dass es sich empfielt, solchen Menschen einfach aus dem Weg zu gehen. Nun, wenn jedoch Prinzessin Lieblich so sehr davon träumt, ihre Fresse durch den Äther zu jagen, dann ist es klar wie Christian (was für ein grottenschlechter Nachrichten-Gag), dass sie die Lokalbühnen nicht scheut und jedem Dorschbert ihre Ansichten einpflanzen will. Hat was von Scientology. Doppelmoral lechzt geradezu danach, mit einer sexuellen Bombe übertroffen zu werden. Drum empfinde ich die höchst amüsante Lösung des Paares als, äh, ja, höchst amüsant.

Mit Religion hat das Ganze eh nichts mehr zu tun. Drum schätze ich diejenigen, die mit diesem Aspekt des Lebens sehr pfleglich umgehen. Übrigens habe ich mich nicht grundsätzlich der Religion abgewendet. Ich bin nur auf der permanenten Suche nach – Achtung, jetzt wird’s abgedroschen – dem wahren Ich. Wer bin ich? Wo bin ich (im Leben)? Und besonders: Was will ich?

Und die Antwort lautet derzeit schlicht und ergreifend: Ma-o-am! Ma-o-am!

Donnerstag, 14. Juni 2007, 22:39:54 CEST. 14 Personen.



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