Und das dürft ihr wörtlich nehmen. Als abschließende Krönung des Tages ist mein gesamtes Gesicht mit einem Ausschlag aufgehübscht worden. Der Bildungsprozess war ein schneller; meiner Mutter fiel bei meiner Ankunft von der Schule während einer Unterhaltung auf, dass sich der bisherige Tag nun in Form von kleinen Bergen präsentiert. Geräusch-, schmerz- und humorlos. Wenigstens ist mir das nicht geschehen, als ich noch in der wilden Zivilisation herumlungern musste. “Gib dem Affen Kortison, Baby”, lautete daraufhin die Devise. Und das alles nur wegen Deodorant, wegen dem gottverdammten, teuren Männer-Deodorant einer Klamottenhandelskette (es war ein Geschenk, natürlich), den ich mir nach dem Sportunterricht gegeben habe. Nein, mein Gesicht wurde beim Duftanschlag eigentlich nicht kontaminiert.
Wäre aber auch nicht übel gewesen. Versteht ihr nicht? Ich versuche mal, es zu erläutern.
Runde zwei.
Ich lasse mich von der Masse von zweiundzwanzig Mitschülern mittreiben und laufe mit ihnen im Strom, im Kreis, in der Turnhalle. Meine Stimmung ist eher desolater Natur, nachdem ich zuvor an den Schulrechnern mit Entsetzen feststellen musste, dass Kleingedrucktes grundsätzlich nicht beachtet wird. Kinder, wie wollt ihr in einer Gesellschaft wie dieser überleben, wenn das Kleingedruckte überlesen wird?
Runde sechs.
Ich würde gerne weggucken. Sehr gerne sogar. Aber die weiblichen Rundungen, die auf und ab gehen, sind in überragend hoher Anzahl vorhanden und gut im Raum verteilt. Bei mir gehen die Haare auf und ab. (Unter anderem.) Auf jeden Fall ist mir das irgendwie unangenehm. Nicht wegen den Damen, nein, nein. Nein. Nein, die sehen auf jeden Fall doch recht… nein, nicht jetzt. Ich muss gerade andere Probleme lösen. Mein Problem ist, dass ich weggucke. Ich gehe den betroffenden Personen, die eventuell sauer auf mich sein könnten, aus dem Weg.
Runde sechsunddreißig (gefühlt).
Ausdauer, es mangelt mir definitv an Ausdauer. Sämtliche Kräfte verlassen mich und nur noch der Schubkarren (oder besser gleich der Leichenwagen?) kann mir Erlösung verschaffen. Beziehungsweise, man hat sich daran gewöhnt. Man kannte es selten anders. Abgesehen vom Sport wären da noch Lernmotivation – und Freundschaften. Letztere ändern sich bei mir alle paar Jahre wieder. Ergo: “Beste Freunde” hatte ich noch nie. Was mich jedoch nicht sonderlich stört, da ich es nicht anders kenne. Aber etwas Ausdauer sollte ich mir schon angewöhnen. Zumindest in Sachen Freundschaft, denn Sport ist Muskeln sind Fleisch ist Mord. (Hatte ich das nicht mal einst erwähnt?)
Ach, keine Ahnung. Mir mangelt es derzeit an der gewohnten Eloquenz (was fatal ist, da ich morgen einen Referat über Call-In- und Astro-Sendungen halten werde). Und es juckt mich inzwischen überall. Überall, verdammt! Ich gehe jetzt das Kortison-Junkie-Sein fröhnen.
(Wer das liest, ist ein Held. Die Gesellschaft wird’s dir danken.)