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    • Meet the killer whale with a license to practice law. Orca in the Court, tonight on Sick, Sad World.
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    • Jan. 1 - Jamie Lidell live in Frankfurt. (Wir hatten es schon vor -387309 Tagen hinter uns.)
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      • Annah. Wonderwoman und die Philosophie.
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      • Saibot. Making feet for children shoes.
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      • Enin. Der Tod kommt von oben.
      • Ybur. Die Perfektion.
      • Olbap. The man on the moon.
      • Saerdna. Der Tötungsdrang von Teddybären.
      • Nevs. Leben.
      • Leinad. Collapse.
      • Pisoj. Rockn.
      • Sirhc. AK-1 bis -47.
      • Nröjb. Echte Gefühle.
      • M. Seni. Ausrufezeichen! Klammer zu.
      • Ihcim. In der Kürze liegt die Würze.
      • Anit. Kurz und gut.
Aus der Reihe "Pop Town", heute:

The system failed us.

Kennt ihr diesen tollen Cartooneffekt, wo die Augen meterweit herausgucken? Dabei ertönt zumeist ein lautes Glockenschrillen, der Hintergrund nimmt knallige Farben und betonende Züge an und der Protagonist der Szene ächzt sein Kreischen in – von der Situation abhängig – verschiedenen Lautstärken, Rhythmen und Zeitrahmen.
Ich stand lediglich da. Vielleicht habe ich den Mund etwas runterziehen lassen, ich weiß es nicht. Was ich wusste, war, dass ich 13, 14 war und vor mir ein älterer nackter Mann rumhüpfte. Wir waren gerade in diese Wohnung gezogen, es war in diesem unglaublich heißen Sommer 2003 und man hatte vom Wohnzimmer aus einen wunderbaren Ausblick: auf das bisschen Grün im Hintertaunus, auf den Bahnhof, auf ein, zwei Häuser – und da war die Wohnung von diesem Kerl mit den ebenfalls weiten Fenstern. Vermutlich hatte er noch nie etwas von Gardinen oder überhaupt jemals von Stoff gehört. Eine Sekunde stand ich regungslos da, eine Sekunde fiel mir sein überpräsenter Körperfettanteil auf, eine Sekunde gab er mir, um festzustellen, dass eine Vorhaut so richtig runterbaumeln kann. Es war eine Sekunde zu viel und deshalb zog ich es vor, wegzusehen. Und mitten in der brühend heißen Sonne die Gardine zuzuziehen.
Der Nudist mit der hängenden Haut starb einige Wochen später. Die Wohnung musste aus unbekannten Gründen renoviert werden. Wohl auch desinfiziert. Später zog eine kinderreiche und dennoch dezente islamische Familie ein.

Gleiche Welt, dreieinhalb Jahre später, sieben Uhr sechsunddreißig, trains to Brazil Pseudo-Zivilisationsville. Ich bin auf dem Weg zur Schule und der Tag wird sich natürlich mit Sinnlosigkeiten überschlagen. Man schaut sich einen schlechten Mainstream-Ritterfilm an, danach zieht der Mathelehrer seinen Job durch und schon ist Sense. Mir kommt’s spanisch vor, dass man sich in der westlichen Welt durchkämpfen muss, um seinen Lebenszielen näher zu kommen.
Näher zu kommen, wohlgemerkt. Die Menschen in meiner Umgebung werden gewiss nicht ihre Lebensziele erreicht haben. Ich denke an einen Lehrer, der sich lustvoll dem Film hingegeben hat. Er hat sein Examen mindestens dreimal in den Sand gesetzt, er quält seine Schüler und sich mit etwas, wovon er keine Ahnung hat. Seine Inkompetenz wird permanent von irgendwelchen Oberstudienräten und sonstigen Systemanhängern bestätigt. Er kämpft sich bloß durch, damit er seiner Verlobten, die den gleichen Beruf in einer anderen Stadt ausübt, etwas näher sein kann. Aber nein. Er muss sich mit dem Taunus begnügen. Oder die Lehrerin, die mal Opernsängerin und Tänzerin werden wollte und jetzt artikuliert, gestikuliert und obendrein aussieht wie ein misshandeltes Masthuhn. Es ist zum Mäusemelken und genau so kommt es mir auch vor.
Es wird bald die Zeit kommen, wo ich dazu genötigt werde, bestimmte Kurse zum korrekten Bewerben zu besuchen. Gedroht wird damit, dass ich keine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten würde. Ich würde viel Post und viele Anrufe von der verantwortlichen Bürokratiefrau erhalten, damit ich das auch nicht vergesse, und sei es auch bei einem guten Abischnitt. Denn wir werden subtil und wie Kühe von Unternehmen zu Unternehmen als genügsame Praktikanten weitergereicht. Man habe den optimiertesten Lebenslauf und sei mit dem symphatischsten Passbildlächeln gesegnet, um unbezahlt die Wirtschaft ankurbeln zu dürfen. Welch Ehre.
Ich sitze immer noch auf dem Boden in der Bahn. Ich schweife meinen Blick in die Menge und sehe Büromenschen, die ihren iPod über ihren leicht speckigen Bauch (ich hab’s heute mit den Körpervolumen, verzeiht mir) hängen haben, damit auch der letzte Hopper von Hasselbach weiß, dass er gerade die Wise Guys hört. Zu seiner Rechten sitzt eine aufgetakelte kleine Tussi. Aufgetakelt im Sinne von “Kneift mich endlich, sonst kill ich mich selbst noch”. Fragil eben. Weiter entfernt tratschen Tokio-Hotel-Fans über ihre neuen Tokio-Hotel-Barbiepuppen. Nein, das war erfunden, es waren nur Tokio-Hotel-Bettwäschesets. Eine von ihnen freut sich, dass in Kürze die neue Platte rauskommen wird. Als sich eine andere zu “30 Seconds To Mars”, Jared Letos neuem Versuch, einen Existenzgrund für diese (Emo-)Welt zu erhalten, bekennt, wird sie direkt ausgestoßen.

Der Nackedei hatte solche Probleme nicht. Als sich sein Lebensende immer stärker in die Gegenwart konvergierte, hing der gute Mann sprichwörtlich rum und nahm sich alle Freiheiten, die die Gesellschaft tabuisiert. Ob ihm diese Isolation von der Außenwelt gut getan hat, wage ich zu bezweifeln.

Samstag, 03. Februar 2007, 23:40:47 CET. Jemand.



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