
15:04. Die Bäume bewegen sich hin und her wie mein Kopf im Deutschunterricht. Sämtliche Fenster werden geschlossen, alle Rolläden runtergerollt (wenn existent), die streunden Hunde von den tristen Straßen aufgelesen. Ein Spezialzug fährt an allen Bäumen vorbei und kastriert diese kurzerhand.
15:35. Ich sitze gemütlich im Wohnzimmer, erneut ganz alleine. Mir würde es ja eigentlich in Ordnung gehen. Ich fühle mich sicher und als Voyeur des Geschehens zugleich, habe ich doch eine wunderbare Aussicht auf die Bäume und die Zuggleise. Doch ich kriege Schweißausbrüche, zittere überall, reagiere leicht cholerisch und bin kurz davor, die Witterungen freiwillig an mir spüren zu lassen. Jeder verdammte Musiksender spielt Billy Talent. Ich hasse Billy Talent. Ich kriege Aggressionen von Billy Talent. Von dieser grenzdebilen und unnötigen Kreischmusik.
15:36. Zupp. Stromausfall. Perfektes Timing, ich danke.
15:40. Der Fernseher geht wieder an. Perfektes Timing, es läuft The Rapture. Schöne Gute-Laune-Musik.
15:46. Für eine Sekunde ist die Stromverbindung wieder am Arsch. Mit ebendiesem saß ich gerade auf dem Klo und spürte erneut tiefe Dankbarkeit dafür, dass die Wasserversorgung hier ausnahmsweise standhält. Endlich standhält.
16:11. Ich beschließe, komplett auf Kerzenlicht umzusteigen. Es wird dunkel.
16:13. Was ich früher gehasst habe, liebe ich dank der Dead 60s inzwischen sehr: Grävenwiesbach ist so modern, dass es immer noch eine Heulsirene gibt, die den ganzen Kaff außer Atem hält (vergleiche “You’re Not The Law”). Und gerade ist es in Betrieb.
16:14. Besorgte Nachbarn reden draußen im Treppenhaus. Ich halte mich raus, sonst spricht man mich noch darauf an, dass nicht ich, sondern eine von denen das Treppenhaus geputzt hat. Wenigstens muss ich draußen nicht putzen, das übernimmt jemand gerade jemand anders…
16:47. Die große rote Kerze kontaminiert die gesamte Wohnung mit Kirschenduft. Draußen pfeift der Wind. Hier drinnen tanzen OK Go auf Laufbändern. Während gleichzeitig ein kleines Kind und zwei Erwachsene sterben, springe ich aus Langeweile hin und her. Vielleicht kaufe ich mir später mal ein Laufband zum Zwechentfremden.
19:52. Comedy Central. My Family. Ich lache. Laut. Nachbarn kommen raus, bis ihnen auffällt, dass ich lache. Und nicht weine. Der Unterschied scheint bei mir signifikant gering zu sein.
…scheiße, jetzt wird’s wieder kräftig. Ich mach besser den Rechner aus. Fortsetzung folgt.