Wir schreiben den zweiten Dezember Zweitausendsechs, es ist relativ warm für diese Zeit, aber dennoch kalt, manchmal strahlt die Sonne, und dennoch sieht man im Himmel… nichts. Eine weiße Fläche. Eine weiße Fläche, die danach schreit, angemalt zu werden. Nun, manchmal ist’s auch grau. Grau wie die Abgase, die von der Südzucker-Fabrik ausgestoßen werden. Wer mit dem Regionalzug von Frankfurt über Friedberg nach Kassel fährt, sieht das deutlich. Wer hätte gedacht, dass Zucker so sehr die Umwelt verschmutzt? Kein schöner Anblick, fürwahr.
Das Thema Umwelt ist in aller Munde. Mein Englischlehrer macht Werbung für terranova (sicher verbirgt sich ein nobler Gedanke dahinter, wenn er Werbung für einen Sender macht, den man in Hessen kaum empfangen kann und früher das beste Musikfernsehen nach VIVA ZWEI machte – onyx.tv, das aber nur nebenbei angemerkt) und behandelt dieses Thema ausführlich im Unterricht. Schön und gut, das Ganze.
Neuerdings gleicht meine Umgebung einer Kulisse von “Children Of Men”. Wir leben relativ nah am Bahnhof, rund um die Brücke, rund um die Gleise, die man sieht, wenn man einen Blick nach draußen wagt, waren Bäume. Das sah im Sommer ganz schön aus, wenn die Knospen sprießten und es überall grünte. Im Winter war es ein deprimierender Anblick.
Das alles ist nicht mehr. Aus einem nicht näher definierten Grund wurden Bäume abgesägt, Büsche entfernt. Sie wichen einer Einöde aus Schlamm und braunem Irgendwas. Sprich: Nichts. Ich lebe jetzt irgendwo in einem Nichts aus Weihnachts-Leuchtsternen, die in den nächsten Tagen angebracht werden, ich sehe jetzt ganz gut das Autohaus, das weiter hinten zu sehen ist. Ich sehe Züge, die ankommen oder wegfahren und Abgase freilassen. Ich wage kaum noch einen Blick nach draußen, verlasse mein Heim morgens auf dem Weg zur Schule und mach mir auch noch die Hose dreckig, weil die Straße voll von dem braunen Schlamm, voll von den komischen Kieselsteinen ist.
Stattdessen pflege ich von nun an die Angewohnheit, so selten wie möglich im Dorf zu sein, so wie heute. IAMX. Und vorher wird die Superhelden-Posse den Weihnachtsmarkt acht Kilometer weiter entfernt besuchen. Generell bin ich heute besonders in Weihnachtslaune, nicht nur, dass ich jede Menge Lebkuchen “verinnerliche”, heute ist mein The Dead 60s-Fanpaket angekommen, welches das Weihnachtsgeschenk meiner Eltern ist. Wenigstens etwas, was die Laune anhebt.