
Wir schreiben Samstag, den 29. Juli 2006. Herr Breitscheid macht sich mit einem verrückten verwirrten und sich dauernd verfahrenden Haufen menschlicher Zellen, auch Familie genannt, auf dem Weg, straight from the Nirgendwo through the Kreuz Breitscheid to Essen, weil zwei Menschen, die sich gefunden haben, heiraten wollen.
Ich hätte es eigentlich wissen müssen, es ist eine Hochzeit im Perserstyle. Und das heißt: Kitsch und schlechte persische Musik. Ich kannte das bereits aus vergangenen Hochzeiten. Lautes Rumgegackere, schlechte Songs über Reis mit Fleisch und Rüben und so. Ihr merkt schon, ich bin ein Freund “meiner” Kultur. Was ich demnach erwarte, ist die Hölle.
Was ich an Hochzeiten immer komisch finde, ist, dass man die Leute der Braut und des Bräutigams strikt trennt. Ist doch bekloppt. Da bleibt jeder nur bei sich. Besonders, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen – der Bräutigam ist deutsch. Und sowieso die ganzen Leute, um die man sich kümmern muss. Irgendwie abstrus, wenn ein Tag voller Stress der schönste Tag im Leben sein sollte. Ich glaub, dieses Recht würde ich ja eh beanspruchen. Hochzeit in Las Vegas, “Elvis Presley” erklärt uns zum Ehepaar, danach Karaoke. Und das auch nur im kleinen Kreis. So soll’s bitte bei mir aussehen, aber das ist gar nicht das Thema.
Stocknüchtern sitze ich also am Tisch und sehe, wie die ganzen Menschen zu persischer “Rock ‘n Roll”-Musik tanzen. Bevor ich eine klugscheißerische Rede über Rock ‘n Roll halte, denk ich mir als Realist: “Schlechte Laune, pah! Braucht keiner!” Und weil ich so ein toller Realist bin, lass ich mir deswegen ‘n Glas Wodka holen und trinke es rasch aus.
Das Resultat: Ein gut gelaunter Herr Breitscheid auf der Tanzfläche, der zu R’n'B und eben Persermucke tanzt. Der mit der Braut tanzt. Der tanzt. Normalerweise bin ich eher derjenige, der an der Seite mit verschränkten Armen steht. Und ich bin verdammtnochmal gut gelaunt. Anfangs hätte ich’s mir gar nicht zugetraut, soziale Kontakte zu knüpfen, am Ende hab ich sogar der anderen Trauzeugin den Rücken massiert. Ja, wir waren etwas angeheitert. Die Fotos hab ich sicherheitshalber verbrannt.
(Wer das lesen kann: Ich hab ‘ne Digicam.)
Auf jeden Fall wünsch ich dem Paar Gatha D.(-E.) und Olli E. eine feine Ehe. Cheers!